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Praxis für Logopädie - Bettina Neubauer



Dysphagien

Als Dysphagie wird eine Störung des Schluckaktes beim Trinken, bei der Nahrungsaufnahme oder beim Schlucken des eigenen Speichels bezeichnet.

Pro Tag schluckt ein erwachsener Mensch bis zu 2000 mal. Auch nachts wird der Speichel vom Mundraum mit Hilfe der Zunge und der Wangenmuskulatur in den Rachenbereich und schließlich in die Speiseröhre befördert. Für diesen Ablauf ist eine fein abgestimmte Koordination von zahlreichen Einzelmuskeln, Muskelgruppen, Gelenken, Knorpelstrukturen, sowie Schleimhäuten und Speicheldrüsen etc. notwendig. Die Steuerung dieser Vorgänge erfolgt durch das Gehirn.

Das Gehirn sendet “Befehle” an die entsprechenden Strukturen im Gesicht, Mund, Rachen, Kehlkopf usw., die Weiterleitung der Befehle übernehmen bestimmte Nervenbahnen (besonders wichtig für das Schlucken sind die Hirnnerven).

Wieder andere Nerven geben dem Gehirn Rückmeldung z.B. über Geschmack und Geruch der Nahrung, Informationen über die Beschaffenheit der Speise, die auf der Zunge liegt (z.B. “…muss erst gekaut werden oder kann ich sofort schlucken…”). Auch erhält das Gehirn auf diesem Weg Informationen darüber, ob sich in den Wangentaschen noch Reste von Nahrung befinden.

Der komplexe Schluckakt läuft beim gesunden Menschen fast von selbst ab – also reflexgesteuert, wie ein Zahnradsystem. Doch wenn eine der oben genannten Strukturen durch eine Erkrankung oder Hirnschädigung gestört ist, funktioniert das Zusammenspiel nicht mehr. In solchen Fällen sprechen wir von einer Dysphagie oder Schluckstörung.

Neurologische Erkrankungen, die zu Dysphagien führen können, sind:

  • Myasthenia gravis
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Parkinson
  • Amyotrophe Lateralsklerose
  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Demenz
  • andere neurodegenerative Erkrankungen

Nahrungsaufnahme und Schlucken verlaufen in mehreren Phasen, die unterschiedlich beeinträchtigt sein können:

  • Kauen (orale Vorbereitungsphase)
  • Transport der Nahrung im Mundraum (orale Phase)
  • Transport der Nahrung im Rachenraum (pharyngeale Phase)
  • Transport der Nahrung in der Speiseröhre (ösophageale Phase)

In der Sprach- und Schlucktherapie gibt es verschiedene therapeutische Interventionsmöglichkeiten. Welche therapeutischen Interventionen und Trainingsstrategien angewandt werden, entscheidet sich auf Grundlage der Ergebnisse einer sorgfältigen Diagnostik der Beschaffenheit einer vorliegenden Schluckstörung.

Quellen: Gudrun Bartolome, Heidrun Schröder-Morasch: Schluckstörungen – Diagnostik und Rehabilitation. 4. Auflage. Urban und Fischer, München 2010, ISBN 9783437471612.


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